Donnerstag, Juni 29, 2006

RTL züchtet kleine Brüder

Bemerkenswertes war heute in RTLs Teleshopping Sendung zu vernehmen. RTL bot hier eine Kabellose Mini-Funkkamera an (Artikelnummer : 5500743 im RTL Shop).

Angepriesener Einsatzzweck :

  • Heimlich die gemeinsame Waschküche im Mehrfamilienhaus gegen Waschpulverdiebe überwachen.
    (O-Ton: "Der hat aber geguckt als ich ihn mit den Beweismitteln konfrontiert habe")
  • Heimlich die Strasse überwachen um sein Auto im Blick haben zu können (O-Ton: "Nie wieder Kratzer im Lack !")
  • Für die lustigstens Heimvideos Partygäste heimlich beobachten.
    (O-Ton: "Sie glauben gar nicht was Leute so machen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.")


Wie oft die Worte "überwachen" und "kontrollieren" fielen, ließ sich leider nicht mehr mitzählen.

Das der Einsatz einer Kamera zu solchen Zwecken von Grund auf illegal ist, wird wahrscheinlich weder RTL noch die Zielgruppe wirklich interessieren. Leider wurde hier aus Dummheit und Inkompetenz die (sogar private und heimliche) Überwachung wieder ein Stück salonfähiger gemacht.

Herzlichen Glückwunsch !

Dienstag, Februar 28, 2006

Das "Kinderschänderargument"

Wenn ein Polizeibeamter nicht in der Lage ist, vorhandene Datenbestände im polizeilichen Auskunftssystem korrekt zu durchsuchen, dann bringt alle Überwachung nichts.

Hintergrund sind die Ermittlungspannen im Fall Stephanie aus Dresden.
Wie Landespolizeipräsident Klaus Fleischmann am Dienstag in Dresden sagte, war der mutmaßliche Täter durch das Fahndungsraster gefallen, weil die Polizei im Jahr 2002 eine Umbenennung der Tätergruppe von «sexuell motivierte Straftäter» in «Sexualstraftäter» vorgenommen hatte. Der recherchierende Beamte hatte lediglich letztere angeklickt und so nur Daten über Straftaten erhalten, die nach 2002 begangen wurden. Freie Presse

Von einem Fehler im System lässt sich Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) natürlich nicht so leicht beirren und fängt sofort an, nach mehr Überwachung zu schreien.

Samstag, Februar 04, 2006

hr2 "Der Tag" zur Datensammelwut

Habe folgende Perle aus dem hr2 "Der Tag" Podcast vom 04. November 2005 ausgegraben : Der Triumph der Datensammler

46 Minuten lang werden in leicht verdaulichen Häppchen die Gefahren der Datensammelwut plastisch vor Augen geführt :

-Elektronischer Reisepass, Biometrie, RFID
-Mautbrücken und Verfolgung durch Finanzamt und Versicherungen
-Vernetzung von Datenbanken
-Der Datentotalverweigerer "Georg"
-Der Datenverstreuer "Fabian"
-Foebud und Big Brother Awards
-Wer verdient an unseren Daten?
-Videoüberwachung, Gesichtserkennung
-Verhaltensmustererkennung und die Folgen
-Der Gesundheitszustand im Visir des Arbeitgebers
-Die Investigator Software (Arbeitgeber, FBI etc.)
-Die Matrix Schnüffeldatenbank
-RFID unter der Haut
-WM2006 : Herstellerkonsortium schlägt Überwachungsanlagen vor, die automatisch nicht-tödlichen-Waffen (Gummiegeschoss, Taser) gegen "erkannte Störer" einsetzen (sic!)
-Wieso erfolgt kein Aufstand gegen die Datensammelwut ? (Gewöhnungsprozess und Gleichgültigkeit)
-Die neue Aufgabe der Datenschützer
-Total Information Awareness und Mustererkennung

Mittwoch, Februar 01, 2006

Niederlande: Biometrie-Pass erfolgreich gehackt

Same shit, different day : Pässe berührungslos kopieren und fälschen.
Telepolis

Freitag, Januar 27, 2006

BKA startet 2. Phase von "FAST-ID"

Von Biometrie im Streifenwagen und erkennungsdienstlicher Behandlung am Strassenrand.

Mit "Fast Identification" ist es möglich, einen Fingerabdruck innerhalb weniger Minuten abzugleichen, so dass eine Person z.B. direkt am Streifenwagen überprüft werden kann und nicht mehr zur Polizeidienststelle mitgenommen werden muss.

Aha, it's not a bug - it's a feature !
In Erweiterung der ersten Pilotphase, die bei den beteiligten Polizeien der Länder auf große Akzeptanz gestoßen ist und in der ein Fingerabdruck mit bis zu 50.000 lokal im Gerät eingespeicherten Datensätzen abgeglichen wurde, wird nun der Abgleich mit dem Automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS) des Bundeskriminalamtes (BKA) mit ca. 3,2 Millionen Fingerabdruckblättern in Echtsituationen erprobt. Nach der elektronischen Aufnahme der beiden Zeigefinger mit einem mobilen Scanner werden die Abdrücke drahtlos an das AFIS-System im BKA übermittelt, (...)

Drahtlos ? WarDriving 2.0 ?

Ab Februar werden die Geräte auch von der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt/Main erprobt.

...mit dem Bürger als Beta-Tester ?


Quelle :
Pressestelle des BKA

Dienstag, Januar 17, 2006

AGB für Prepaid-Karten

Warum verweigert der nette Herr in der Mobilfunkabteilung mir eigentlich eine anonyme Prepaid-Karte ? Darum :

Allgemeine Geschäftsbedingungen der O2 (Germany) GmbH & Co OHG für Prepaid-Mobilfunkdienstleistungen („O2 LOOP“)

(...)
4.1 Der Kunde ist verpflichtet,

a) sich bei O2 mit den in Ziffer 8 genannten Daten registrieren zu lassen und seine Identität durch Vorlage eines geeigneten Ausweispapieres oder Registerauszuges nachzuweisen. Im Falle eines fehlerhaften Identitätsnachweises hat der Kunde den Nachweis unverzüglich nach einer entsprechenden Aufforderung durch O2 ordnungsgemäß nachzuholen. Für den Fall, dass die Registrierung oder der Nachweis nicht oder fehlerhaft erfolgt, behält O2 sich vor, keine Mobilfunkdienstleistungen zu erbringen;
(...)

8 Führung einer Kundendatei

O2 ist aufgrund gesetzlicher Regelungen berechtigt, personenbezogene Daten des Kunden zu erheben und eine Kundendatei zu führen, in die Rufnummer, Name, Anschrift und Geburtsdatum des Kunden sowie Beginn und Ende des Vertrages aufgenommen werden.

E-Plus Service GmbH & Co. KG: Allgemeine Geschäftsbedingungen für Prepaid- Mobilfunkdienstleistungen „Free&Easy“
(...)
2.3 EPS kann die Annahme des Kundenauftrags ablehnen, wenn ein schwerwiegender Grund vorliegt, z.B. der Kunde unrichtige Angaben macht oder der begründete Verdacht besteht, daß der Kunde die Leistungen mißbräuchlich zu nutzen beabsichtigt.
(...)
9.4 Der Kunde hat EPS unverzüglich jede Änderung seines Namens oder seiner Adresse mitzuteilen. Dies kann schriftlich oder telefonisch über die Kunden-Hotline erfolgen. Erforderlich ist jeweils eine Legitimation des Kunden durch Angabe einer PUK, der Geheimzahl oder – bei schriftlichen Mitteilungen – Vorlage einer Kopie des Personalausweises bzw. des Reisepasses und der aktuellen Meldebescheinigung.
9.5 Die Übertragung der Free&Easy Card auf einen Dritten ist nur dann zulässig, wenn sich der Dritte gegenüber EPS durch ein amtliches Ausweisdokument mit Adressangabe (Personalausweis oder Reisepaß mit Meldebescheinigung) legitimiert und eine schriftliche Übernahmeerklärung abgibt.

Allgemeine Geschäftsbedingungen für Vodafone D2-Dienstleistungen (AGB)
(...)
1.2 Für CallYa-Verträge gilt: Der Vertrag kommt durch Erwerb des CallYa-Paketes zustande. Sobald Name und Anschrift des Kunden in den Kundendateien von VF D2 registriert wurden, wird VF D2 dem Kunden die Nutzungsmöglichkeit der Vodafone-Karte im VF D2-Netz automatisch einräumen. Die auf 9.1 Der Kunde teilt VF D2 unverzüglich jede Änderung seines Namens, seiner (Rechnungs-)Anschrift, seiner Rechtsform und – bei Nutzung des Lastschriftverfahrens – seiner Bankverbindung mit.
(...)
11. Datenaustausch mit Auskunfteien
11.1 VF D2 ist berechtigt, zum Schutz vor Forderungsausfällen und vor Gefahren der missbräuchlichen Inanspruchnahme der Vodafone-Karte durch Dritte, personenbezogene Vertragsdaten sowie Angaben über nicht vertragsgemäße Abwicklung (z. B. Kündigung wegen Zahlungsverzug, beantragter Mahnbescheid bei unbestrittenen Forderungen, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen sowie Kartensperrungen in Missbrauchsfällen) dem von der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG betriebenen Fraud Prevention Pool (FPP) sowie der Schutzgemeinschaft für Allgemeine Kreditsicherung (SCHUFA) zu übermitteln und dort entsprechende Auskünfte einzuholen. Soweit während des Kundenverhältnisses solche Daten bei der SCHUFA oder dem FPP aus anderen Kundenverhältnissen anfallen, erhält VF D2 hierüber Auskunft. Die jeweilige Datenübermittlung erfolgt nur, soweit dies zur Wahrung berechtigter Interessen von VF D2, eines Vertragspartners der SCHUFA oder eines Teilnehmers des FPP erforderlich ist und schutzwürdige Belange des Kunden nicht beeinträchtigt werden.
(...)
12.1 Für CallYa-Verträge gilt: Der Kunde kann die Rechte und Pflichten aus diesem Vertrag mit dem dafür vorgesehenen VF D2-Formular auf einen Dritten übertragen (Vertragsübernahme). Voraussetzung ist, dass der neue Kunde vor der Übertragung VF D2 seine Daten gemäß Ziff. 1.2 mitteilt und durch ein von VF D2 akzeptiertes Ausweisdokument nachweist.

Allgemeine Geschäftsbedingungen Xtra von T-Mobile

2.1 Der Vertrag kommt durch einen Auftrag des Kunden (Angebot) und die Aktivierung der T-Mobile Karte durch T-Mobile (Annahme) zustande.T-Mobile nimmt das Angebot des Kunden nur an, wenn der Kunde Name und Anschrift angibt und durch Vorlage eines von T-Mobile akzeptierten Ausweises (Personalausweis, Reisepass) nachweist.
c) T-Mobile unverzüglich schriftlich eine Änderung seines Namens, seiner Anschrift und im Falle einer Teilnahme am Verfahren der Direktaufladung (Ziffer 6.3) der Bankverbindung mitzuteilen, bzw. durch einen hierzu bevollmächtigten Dritten mitteilen zu lassen.
Angesichts solcher AGBs scheint der Grundsatz der Datensparsamkeit wohl nicht mehr sehr hoch gehandelt zu werden. Für die Abrechnung des Dienstes werden die eingeforderten persönlichen Daten jedenfalls nicht benötigt.


Montag, Januar 16, 2006

Anonyme Email

...und es geht doch. Anonyme, kostenlose Emailaccounts mit netten Sicherheits-Featuren gibt es bei hushmail. Mir ist richtig warm ums Herz geworden, als ich das kleine Wörtchen "optional" bei "Personal Informations" gelesen habe.

Anonyme Prepaid-Handys : Fehlanzeige

Nach fehlgeschlagenen Versuchen ein Prepaid-Handy anonym zu kaufen, habe ich ein wenig gegoogelt. Scheinbar bin ich nicht der einzige mit diesem Anliegen und den selben Problemen. (siehe hier). Die Vorgehensweise der Mobilfunkanbieter ist scheinbar illegal. (edit: Eher fragwürdig. Illegal ist vielleicht ein wenig hochgegriffen.)

Deshalb habe ich eine Beschwerde an den Datenschutzbeauftragten meines Bundeslandes geschickt. Wie das ganze voran- und ausgeht, erfahrt ihr natürlich hier.

Anonym durch die City

Habe mir eine MicroMoney Karte und eine Telefonkarte besorgt.
Die MicroMoney Karte dient dem anonymen Bezahlen im Internet sowie als anonyme Calling Karte für Münztelefone und sonstige (halb-)öffentliche Telefone (Bar, Hotel etc.).

Für wichtige Telefongespräche an Kartentelefonen dient die Telefonkarte. In größeren Städten ist die Grundversorgung mit Telefonzellen durchaus noch gewährleistet. Es sind sogar meistens richtige Zellen und keine Säulen mit Telefon ;-)

Die MicroMoney Karte gibt es anonym gegen Bargeld in jedem T-Punkt, die Telefonkarte am Kiosk.

Erster Feldversuch

Das Handy bleibt für die nächsten 7 Tagen zu Hause liegen. Mal sehen, wie Freunde und Familie reagieren, wenn man nicht 24/7 erreichbar ist.